Nach 50-jährigem Bestehen begrüßen VK-Mitglieder die Entscheidung des Kultusamtes

Österreich: Vereinigungskirche als religiöse Bekenntnisgemeinschaft
anerkannt

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WIEN, 20.06.2015 (FOREF) – Am 15. Juni 2015 wurde der österreichische Zweig der Vereinigungskirche (VK) offiziell vom Kultusamt registriert. Gut 40 Jahre nach dem behördlichen Verbot der Gemeinschaft in Österreich begrüßen ihre Mitglieder den Schritt der Bundesregierung, die Rechtspersönlichkeit einer religiösen Bekenntnisgemeinschaft zu gewähren. 

Mit der neu erworbenen Rechtspersönlichkeit erhielt die VK eine „staatliche Anerkennung ohne Privilegien“. Sie ist derzeit die achte eingetragene Bekenntnisgemeinschaft in Österreich. Die Antragsprozedur wurde vom Grazer Verfassungsjuristen Prof. Brünner begleitet. Er wertet die Anerkennung der VK als Zeichen eines pluralistischen Rechtsstaates. „Eines der wichtigsten Grundrechte in einer funktionierenden Demokratie, nämlich das Recht auf Religionsfreiheit, wurde hiermit gewährleistet“, erklärt Prof. Brünner.

Die von sogenannten Sektenbeauftragten häufig behauptete „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ durch die Lehre und Praxis der VK, wurde bereits zu Beginn der 1980er Jahre von Soziologen und Religionsforschern als Mythos entlarvt. Derartige Vorurteile wurden mit der Kennzeichnung der religiösen Bewegung als Bekenntnisgemeinschaft nun schließlich auch vonseiten der österreichischen Bundesregierung entkräftet.

Meilensteine des rechtlichen Status der VK in Österreich

Die koreanische neue religiöse Bewegung ist seit Mai 1965 in Österreich aktiv. Im April 1966 wurde die VK als Verein unter dem Namen “Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums” in Wien eingetragen. Die Kirchenvertreter meinen, dass vor allem junge Menschen der Mittelschicht sich von der Gemeinschaft angezogen fühlten, da sie in ihr „eine inspirierende Weltdeutung und einen idealistischen Aktionismus“ fanden. Im Januar 1974 wurde der Vereinsstatus der rasch wachsenden Gemeinschaft aus vorgeblich „formalen Gründen“ per „Weisung von oben“ durch die Sicherheitsdirektion Wien aufgehoben. In den folgenden Jahren führten die Kriminalpolizei und Finanzbeamte immer wieder Razzien in den Zentren der Religionsgemeinschaft durch. Offenkundig hoffte man, durch systematische Schikane die Mitglieder zu entmutigen oder mundtot zu machen.

Berufungen an das Bundesministerium für Inneres gegen die wiederholte Untersagung einer Vereinsbildung  erwiesen sich trotz mehrerer Anläufe als zwecklos. Auch eine Vorsprache von Repräsentanten der Bewegung beim Bundespräsidenten Kirchschläger im April 1975 blieb ohne Wirkung. Der damalige Bundesminister für Inneres, Otto Rösch, setzte die behördlichen Repressalien gegen die österreichische VK auf seine persönliche Agenda. Die Tochter eines befreundeten Beamten in Graz war nämlich zu Beginn der 1970er Jahre der religiösen Gemeinschaft beigetreten und so wurde die politische Verfolgung der VK von staatlichen Instanzen als Generaldirektive angeordnet.

Die Diskriminierung seitens der österreichischen Behörden in den 70er Jahren konnte die Missionstätigkeit der VK in Österreich indes nicht stoppen. Die junge Bewegung formierte sich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts und setzte ihre Aktivitäten fort. Der österreichischen VK gelang es nach eigenen Angaben zu Beginn der 80er Jahre zwanzig Missionare während des Kalten Krieges in die Länder des kommunistischen Ostblocks zu entsenden. Auch wurden mehrere hundert österreichische Mitglieder zur Missionstätigkeit nach Deutschland, England und Amerika geschickt. Aufgrund der strategischen Bedeutung für die weltweite Organisation, wurde die Geschichte der VK in Österreich zum Gegenstand einer langjährigen Studie von heimischen Religionswissenschaftlern (siehe Referenzen unten).

Das derzeitige Oberhaupt der weltweiten Religionsgemeinschaft ist Frau Dr. Hak Ja Han Moon, die Ehefrau des verstorbenen Religionsgründers Sun Myung Moon. Am 10. Mai besuchte Frau Moon die österreichische Bundeshauptstadt anlässlich einer Jubiläumsveranstaltung zur Feier des 50-jährigen Bestehens der europäischen VK. Am Tag darauf sprach Dr. Moon im Vienna International Centre zur Rolle der UNO für die globale Friedenssicherung und die Lösung des Konflikts zwischen den beiden Koreas.

Religiöses Kastensystem?

Der Verfassungsjurist Heinz Mayer wies darauf hin, dass das derzeit gültige Religionsrecht in Österreich als verfassungswidrig einzustufen ist. Dieses sei in einer Weise konzipiert, die gezielt der Gleichberechtigung aller Religionsgemeinschaften, einem „immanenten Wesenszug einer demokratischen Gesellschaft“, entgegenwirken soll. Um eine volle Anerkennung zu erwerben, müsste die VK nach geltendem Recht über 16,000 Mitglieder vorweisen können. Tatsächlich erfüllen diese Voraussetzung lediglich sechs von den insgesamt 17 gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften. Vor Österreichs „religiösem Kastensystem“ macht das Prinzip der Gleichberechtigung einen krampfhaften Kniefall.

Nach Aussagen der Vertreter der österreichischen VK  sei die Eintragung ihrer Kirche als Bekenntnisgemeinschaft lediglich ein vorläufiger Schritt auf dem Weg zur vollen staatlichen Anerkennung.

Referenzen:

  • Religionswissenschaftliche Studie zur Geschichte der VK in Österreich (1965-1966): Lukas Pokorny / Simon Steinbeiß, ‚To Restore This Nation‘. The Unification Movement in Austria. Background and Early Year. In: Hödl / L. Pokorny, Religion in Austria (Bd. 1). Wien 2012.
  • Religionswissenschaftliche Studie zur Geschichte der VK in Österreich (1966-1969): Lukas Pokorny / Simon Steinbeiß, ‘Pioneers of the Heavenly Kingdom’: The Austrian Unification Movement, 1966–1969. In: G. Hödl / L. Pokorny, Religion in Austria (Bd. 2). Wien 2014.
  • Eine soziologische Studie, die den Gehirnwäsche-Mythos entlarvt: Eileen Barker, The Making of a Moonie (1984).
  • Website der österreichischen Familienföderation für Weltfrieden (Unterstützungsverein der VK): http://www.famfed.org/.
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