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Keine Neuauflage von “Sekten - Wissen
schützt” geplant
Ministerium für Wirtschaft, Familie und
Jugend empfiehlt,
die Broschüre nicht mehr zu verwenden
Nach Auskunft des Bundesministeriums für
Wirtschaft, Familie und Jugend wird es keine Neuauflage der Broschüre “Sekten
-Wissen schützt” aus dem Jahr 1999 geben. Initiiert wurde die Schrift vom
damaligen Minister für Umwelt, Jugend und Familie, Dr. Martin Bartenstein, der
einen Teil seiner Arbeit der “Aufklärung” über sogenannte Sekten widmete. Nachdem die Erstauflage "Sektenbroschüre" von 1996 (300 000 Kopien) vergriffen war, wurde diese in einer Neuauflage (400.000 Exemplare) gedruckt
und großzügig bundesweit verteilt.
Mittlerweile steht sie in fast jeder
österreichischen Bibliothek oder liegt in den Schubladen engagierter
Sektenbekämpfer, die leichte Kost für ihren Feldzug gegen das Böse bevorzugen.
Sie waren und sind vielfach Grundlage für den Religionsunterricht, wenn es
darum geht, sich mit “Sekten” auseinanderzusetzen. Lehrerinnen und Lehrer
bestellten sich gleich ganze Klassensätze um ihre Schüler mit Material zu
versorgen.
Eine kritische Auseinandersetzung mit besagter Broschüre fand bis heute nicht statt. Außer dem Herausgeber der Broschüre, dem damaligen Ministerium für Umwelt, Jugend und Familie wurden keine Autoren genannt, an die sich der kritische Mensch wenden konnte. Angeblich sollten die Autoren vor den Klagen der Gruppen geschützt werden, die in der Broschüre ungehemmt und besonders zahlreich aufgelistet werden. Dass letztere überhaupt nicht eingeladen wurden um an der Entstehung der Broschüre mitzuwirken, braucht wohl nicht extra erwähnt werden.
Was an dieser Schrift besonders hervorsticht, ist die pauschale Verurteilung von Neuen Religiösen Bewegungen. So finden sich in der Einleitung der Broschüre die üblichen Unterstellungen gegenüber den aufgeführten Gruppen: Geschlossenheit der Gemeinschaft, kulturell fremde Ideen, die fanatisch vertreten werden, Konflikte mit der sozialen Umwelt, die durch den Beitritt angeblich entstehen sowie Abhängigkeiten von einer charismatischen Führungsfigur.
Auch das umstrittene Modell der Psychomanipulation, besser bekannt als “Gehirnwäsche” wird ausführlich beschrieben. Wenig Raum hingegen nimmt die Beschreibung der “Sekten” ein, vor denen gewarnt wird. Ihnen wird nicht einmal ein Drittel der 75seitigen Schrift gewidmet.
Wichtig erschien es den Urhebern der Broschüre einzig und allein, die Sektenbekämpfung mit Hilfe des Staates hoffähig zu machen und in einem seriösen Licht erscheinen zu lassen, denn so ein Stempel vom Ministerium macht sich in Österreich bekanntlich besonders gut. Profitiert von dieser Schrift haben insbesondere die Sektenbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirche, für sie war die großspurige Verteilung von Bartensteins “Hexenhammer” mehr als eine Gratiswerbung. Dass ihr sektiererisches Gebaren, welches sie teilweise bis heute an den Tag legen, keinen Autor fand, spricht für sich.
Obwohl die Verteilung von “Sekten - Wissen schützt” im Jahr 2001 eingestellt wurde, finden sich noch immer Versionen als PDF-Dateien auf Webseiten von einschlägig bekannten Anti-Sekten-Organisationen. Geschickt verweisen sie darauf, dass ihre Webseiten nicht vom Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie sind und auch nicht von dort genehmigt oder unterstützt werden.
Die Verwendung der Broschüre begründen sie damit, dass
diese ein amtliches Werk darstellt und somit ohne Urheberschutz ist. Zugleich
verweisen sie darauf, dass spätere Veränderungen von Sachverhalten nicht
berücksichtigt sind. Die Tatsache, dass z.B. die Zeugen Jehovas, die auch unter
das Sektenparadigma der Broschüre fallen, mittlerweile eine anerkannte Kirche
in Österreich ist, scheint den Betreibern offenbar bis heute nicht aufgefallen
zu sein (siehe z.B. www.sektenberatung.at/index.php?page=broschuere,
www.ilsehruby.at/Sektenbroschuere.html).

Übrigens empfiehlt der derzeitige Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend, Dr. Reinhold Mitterlehner, die Broschüre “Sekten - Wissen schützt“, nicht mehr als allgemeine Informationsunterlage zu verwenden.

Im Jahre 2000, ein Jahr nach der Veröffentlichung der Neuauflage der "Sektenbroschüre" veröffentlichte FOREF - aufgrund der Anfragen zahlreicher Betroffener folgende Kritik:
Die Broschüre "SEKTEN - Wissen schützt"
des österr. Bundesministeriums definiert den Sektenbegriff leider sehr ungenau und
gebraucht ihn in der bewusst abwertenden Art. So werden
folgende Merkmale von "Sekten" genannt:
Sowohl diese Merkmale, im Besonderen aber auch das, was unter
"Methoden und Praktiken" (Gesundheit und Krankheit, Sexualität
und Familie, Kinder und Erziehung, Staat und Politik, Arbeit und
Finanzgebaren, Transparenz und Identifizierbarkeit)
angeführt wird, ist erstens
keinesfalls typisch für alle "Sekten", trifft
andererseits aber in hohem Maße genauso auf anerkannte christliche
Gruppen (z.B. Orden) zu.
KRITISCHE ANALYSE DER BROSCHÜRE
"SEKTEN - Wissen schützt":
Im Jahr 1996 fühlte sich das Bundesministerium für
Umwelt, Jugend und Familie unter der Leitung von Mag. Martin Bartenstein
bemüßigt, eine Broschüre mit dem Namen "SEKTEN - Wissen
schützt!" herauszugeben. (Neuauflage 1999)
Dieser Broschüre muss jedoch jegliche Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Das "Forum für Religionsfreiheit" (FOREF) hat die wichtigsten 12 Kritikpunkte daran zusammengefasst:
Die österreichische Verfassung garantiert Glaubens- und Gewissensfreiheit für alle Staatsbürger. Es ist absolut nicht die Aufgabe des Staates, zu bewerten, welche Religion "gut" oder "schlecht" ist. Genau das passiert jedoch mit dieser "Sektenbroschüre". Religiöse Minderheiten befürchten, dass diese Publikation eine Art "Judenstern"-Funktion hat und damit eine Diskriminierung von SchülerInnen aus solchen Glaubensgemeinschaften ausgelöst wird.
Der Inhalt der Broschüre hält nicht, was der Titel verspricht. Wenig Wissen und viel Meinung wird darin vermittelt. Das überrascht jedoch nicht, wenn man weiß, dass keine der darin angeführten Religionsgemeinschaften zwecks Recherchen vom BMUJF kontaktiert wurden. Erst nach intensiver Kritik seitens der Religionsgemeinschaften wurden einige "Irrtümer" in der Neuauflage beseitigt. Diese Vorgangsweise erinnert an eine "geistige Cowboymentalität" (zuerst schießen, dann Fragen stellen) und zeigt eine denkbar schlechte Konfliktbewältigungskultur unserer Politiker: Man spricht nicht miteinander, sondern übereinander.
Viele Glaubensgemeinschaften sind angeführt, jedoch sämtliche "Sekten" innerhalb der Großkirchen (Opus Dei, Engelwerk, etc.) sowie die evangelikalen Gruppierungen bleiben unerwähnt. Nach welchen Kriterien wird hier kategorisiert? Diese Vorgangsweise unserer "Volksvertreter" löst keine Probleme, trägt aber zur Verbreitung einer feindseligen und konfliktträchtigen Atmosphäre hierzulande bei.
Gemäß den Berichten der Bundespolizeidirektion gab es gegen Satanistengrüppchen belastendes Material, das strafrechtlich relevant war. Neue religiöse Bewegungen ("Sekten") sind hier in keinster Weise auffällig. Warum sind aber satanistische Gruppen in dieser Broschüre nicht angeführt? Und warum wird hier vor Religionsgemeinschaften gewarnt, die sich keiner Gesetzesvergehen schuldig gemacht haben?
Eine von der deutschen Bundesregierung eingesetzte
Enquete-Kommission hat Mitte letzten Jahres ihre Arbeit über sog. Sekten
und Psychogruppen abgeschlossen. Im Schlussbericht wurde in einer
offiziellen Presseaussendung Entwarnung gegeben.
FAZIT: Sekten stellen keine wesentliche Gefahr für unsere
Gesellschaft dar. Sie ruft
außerdem zu einer toleranteren Haltung gegenüber religiösen
Minderheiten auf und hat sogar den positiven Einfluss, den viele dieser
Gruppierungen auf die moderne Gesellschaft haben können, hervorgehoben.
Weiters wurde angeregt, in Zukunft den abwertenden,
negativen Sammelbegriff "Sekte" nicht mehr zu verwenden. Leider
hat das österreichische Familienministerium in seiner "Sektenbroschüre"
nichts von diesen Erkenntnissen berücksichtigt.
Die Resultate seriöser Studien, wie zum Beispiel die "Wiener Studie", wurden in dieser Publikation völlig ignoriert. Man fragt sich warum!
Die Identität der Autoren von "Wissen schützt" wird in beiden Ausgaben der Öffentlichkeit vorenthalten. Eine seriöse Diskussion oder wissenschaftliche Auseinandersetzung darüber wird nicht zugelassen. Warum?
Trotz der erlangten Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft im Rahmen des neuen "Anerkennungsgesetzes" (vom Verfassungsexperten DDr. Heinz Mayer als "Aberkennungsgesetz" kritisiert), wurden die Zeugen Jehovahs (über 20 000 Mitglieder in Österreich) auch diesmal wieder vom Familienministerium in der Anti-Sekten Broschüre erwähnt und angegriffen.
In der Broschüre werden unter der Rubrik: "Mögliche Konsequenzen für Individuen und Gesellschaft" (S.49-50) in 21 Stichpunkten Konfliktpotentiale aufgezeigt, die in Berührung mit "Sekten" auftreten "können - aber nicht müssen". Diese Punkte sind größtenteils hypothetischer Natur, widersprechen den Resultaten seriöser Studien und können in einem Worte zusammengefasst werden: Angstmache !!! Der FOREF Redaktion sind Fälle von Diskriminierung (seitens von Mitschülern und auch durch Lehrkräfte) von Schülern, deren Eltern zu religiösen Minderheiten gehören, bekannt. Staatlich sanktionierte (und produzierte) Diskriminierung von Religionsgemeinschaften ist keine Hilfe für Lehrer und Schüler. Vielmehr schafft es Konflikte zwischen Lehrern, Schülern und Familien.
Quellenangaben und Buchtipps (Anhang 1: Weiterführende Literatur) stammen zu über 80% aus dem apologetisch-inquisitorischen Lager der Großkirchen. Außerdem wird ein Buch der amerikanischen Antikult-"Psychologin" Margaret Singer empfohlen, die wegen Unprofessionalität und Befangenheit schon seit Jahren von US-Gerichten nicht mehr als Beraterin herangezogen wird.
Dr. Bartenstein, der als Initiator von "Wissen schützt" zu sehen ist, hat damit unserer Nation einen "Bärendienst" erwiesen. Er hat nicht nur viele brave österreichische Staatsbürger angegriffen, die sich täglich bemühen ein rechtschaffenes und tugendhaftes Leben zu führen. Indirekt hat er auch deren Glaubensbrüder und -schwestern im Ausland verunglimpft, die in vielen Fällen einer im jeweiligen Land anerkannten und angesehenen Glaubensgemeinschaft angehören. Ein Beispiel dafür ist die buddhistische Laienbewegung "Soka Gakkai"(S. 47), die in Japan hohes Ansehen genießt und dort sogar Spitzenpolitiker zu ihren Anhängern zählt. Repräsentanten dieser Religion (über 12 Mill. Mitglieder) sind nicht wenig verwundert über die Inquisitionspolitik des österreichischen Familienministeriums. Nicht zuletzt ist die Sektenphobie unserer Politiker der Grund dafür, dass Österreich dieses Jahr scharfe Kritik von internationalen Menschenrechtsorganisationen, sowie von der OSZE und dem US-Statedepartment erntete (nicht Haider alleine ist schuld an unserem schlechten Image). Den Rügen aus aller Welt zum Trotz verstößt das Familienministerium mit dieser Neuauflage der "Sektenbroschüre" gegen alle fünf Forderungen im OSZE-99 Schlussdokument.
Dieses Projekt hat den Steuerzahlern einige Millionen Schilling gekostet.
FOREF - Forum für Religionsfreiheit
KOMMENTAR
Dr. Peter Schulte
ehem. Sektenbeauftragter der Tiroler Landesregierung
Dass sich der Staat mit dem Phänomen der neuen Religiosität schwer tut, zeigt sich in der 1998 vom ehemaligen Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie aufgelegten Broschüre "Sekten - Wissen schützt". Obwohl einleitend eine Auflistung sowohl gesetzlich anerkannter Kirchen als auch der durch das Bekenntnis- gemeinschaftengesetz von 1998 anerkannten Bekenntnisgemeinschaften erfolgt, so bleibt doch für mich die Frage offen, ob es ausreichend ist, die im Anschluss exemplarisch ausgewählten "Sekten" unter dem Aspekt der Prävention abzuhandeln.
Hier würde ich mir als Leser wünschen, dass die eventuellen Gefahren konkretisiert und auch mit Beispielen untermauert werden. Leider bleibt für mich nur der Eindruck zurück, dass all diejenigen religiösen Gruppen, welche keine staatliche Anerkennung genießen, mit Vorsicht zu genießen sind. Wird in so einem Fall nicht eine Unterscheidung in Gut und Böse vorgenommen, welche manchen "Sekten" unterstellt wird? Und letztendlich, gibt es nicht auch sektenähnliche Züge in traditionellen Kirchen, die ähnlich gelagert und zu betrachten sind?
Es ist zugegebenermaßen unbequem und oft auch schmerzhaft solche Fragen zu stellen, aber es ist genauso schmerzhaft zu sehen, wie aufrichtige und rechtschaffene Menschen, welche ihren persönlichen Weg religiöser Entfaltung suchen, nicht ernst genommen und unter dem Vorwurf der psychischen Manipulation als "Irrläufer" abqualifiziert werden.
Aus der
Brockhaus Enzyklopädie
Sekte [mhd. secte, von spätlat. secta >philosoph. Lehre<, >Richtung<, >Schule<; >befolgter Grundsatz<, zu lat. sequi, sectum >folgen<], urspr. neutrale Bezeichnung einer (philosoph., religiösen oder polit.) Richtung oder >Gefolgschaft<, heute meist wertende Bez. für religiöse Gemeinschaften unter dem Gesichtspunkt ihrer Abweichung von der in den christlichen Kirchen oder einer anderen Herkunftsreligion (z.B. >Hindusekten<) geltenden Wahrheit und ihres Abfalls von der Einheit. Im Unterschied zum Begriff >Häresie<, der sich v.a. auf die abweichende Lehre bezieht, bringt der Begriff Sekte den soziologischen, die Aufhebung der Gemeinschaft mit der Herkunftsreligion betreffenden Aspekt zum Ausdruck. Außerhalb des kirchlich-theolog. Sprachgebrauchs wurde der Begriff aufgrund seines häufig als abwertend empfundenen Charakters durch neutrale Bezeichnungen ersetzt (>religiöse Sondergemeinschaften<, >neue Religionen<
FOREF Europa: Digitale Pressemappe (APA)
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Reply #4 on : Fri May 31, 2013, 12:07:31
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Reply #3 on : Sun September 16, 2012, 20:59:07
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Reply #2 on : Sat February 25, 2012, 07:31:17
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Reply #1 on : Wed October 12, 2011, 10:00:25