
11.09.2012, 06:51 Read more...
27.11.2011, 10:41 Read more...
18.01.2011, 22:39 Read more...
20.11.2010, 01:35 Read more...
10.07.2009, 01:19 Read more...

Wien (APA) -
Gemischt fällt die Bilanz des Menschenrechtsbeirates (MRB) nach seinem
zehnjährigen Bestehen aus. Man könne einige Erfolge verzeichnen, doch überall
dort, wo die Umsetzung von Empfehlungen Geld kosten würde, gebe es keine
Veränderungen, erklärte Gerhart Wielinger, Vorsitzender des MRB, am Dienstag
bei einer Pressekonferenz. Die größten Problemfelder im Bereich der
Menschenrechte in Österreich seien nach wie vor die Bedingungen der Schubhaft
und Rassismus innerhalb der Exekutive.
Der MRB wurde vor rund zehn Jahren anlässlich des Todes des Schubhäftlings
Marcus Omofuma gegründet und agiert seither als Beratungs- und Kontrollgremium
des Innenministeriums. Die Kommissionen, "Augen und Ohren" des MRB,
dürfen sowohl Polizeieinsätze beobachten als auch Polizeidienststellen oder
sogenannte Anhaltezentren unangemeldet besuchen. Anfangs sei man bei der
Exekutive auf "großes Misstrauen" gestoßen, erzählte Georg Bürstmayr,
Leiter der Kommission Wien 1.
Mittlerweile herrsche ein "gutes Klima" zwischen den Kommissionsmitgliedern
und der Polizei. Im Schnitt finde täglich ein Besuch einer Polizeidienststelle
statt, und der größte Erfolg des MRB ist für Bürstmayr, dass "die Polizei
jetzt keine Blackbox mehr ist". Auch das Vorgehen der Sicherheitsbehörden
bei Demonstrationen habe sich zum Positiven verändert, es werde
"maßhaltend" und "souverän" agiert, was sich der MRB zum
Teil auf seine Fahnen heftet.
"Frustrierend ist, dass sich in anderen Bereichen weniger tut", meint
Bürstmayr. Beispielsweise seien die Bedingungen in der Schubhaft
"schlecht, schlechter als im Strafvollzug". Auch Manfred Nowak,
Leiter der Kommission Wien 2, glaubt: "Vor allem in den großen
Anhaltezentren werden die Haftbedingungen internationalen Mindeststandards
nicht gerecht." Hier trete der MRB vor allem für den offenen Vollzug ein.
Ein weiteres Problem erkennt Nowak bei Misshandlungen durch die
Sicherheitsbehörden. Vor allem Ausländer, Afrikaner im Besonderen, seien
betroffen: "Ich traue mich nicht zu sagen, dass das Misshandlungsrisiko
hier deutlich zurückgegangen ist." Nach wie vor sei Rassismus ein Problem
innerhalb der Polizei. Was fehle, sei eine "schnelle und effektive"
externe Kontrollinstanz, die jeden Misshandlungsvorwurf mit den Kompetenzen der
Polizei untersuchen könne, forderte Nowak.
Bürstmayr wies weiters darauf hin, dass die Kommissionen ihre Arbeit gerne auch
auf andere Bereiche, etwa auf die Untersuchungshaft und geschlossene
psychiatrische Anstalten, ausdehnen würde. "Nur die politische
Entscheidung fehlt." Nowak kann sich auch vorstellen, den MRB in eine
"nationale Menschenrechtsinstitution" weiterzuentwickeln, die wie der
Rechnungshof oder die Volksanwaltschaft dem Nationalrat unterstellt wäre und
"mehr Gewicht" hätte.
Auch wenn die Empfehlungen des Beirates von der Politik oft ungehört bleiben,
meint Bürstmayr: Im Fall Omofuma habe die Politik damit reagiert, dass man von
nichts gewusst hätte - wenn es noch einmal einen derartigen Fall geben sollte,
"dann haben sie es gewusst und die Unwissenheit schützt nicht mehr vor politischer
Verantwortung". "Ich bin froh, dass es den Menschenrechtsbeirat
gibt, aber er ist nur so erfolgreich, wie seine Beratungstätigkeit von den
politischen Entscheidungsträgern angenommen wird", meint auch Nowak.
"Bei großen Themen ist die Bilanz aber ziemlich ernüchternd."
(Schluss) spu/hac
APA0291 2009-06-16/12:27
Write a comment