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Gefahr Muslimbruderschaft – Mythos oder Wahrheit?

Gefahr Muslimbruderschaft – Mythos oder Wahrheit?
Mubarak ist Geschichte! Was kommt jetzt?
 

Eine aktuelle Analyse von Thomas Schönberger


MB-flagsFOREF - 23.2.2011 - Nach dreißig langen Jahren des Regierens hat ihn die ägyptische Bevölkerung aus Kairo verjagt. Die wochenlangen Massendemonstrationen haben ihr Ziel erreicht. Weder das Mubarak Regime noch seine internationalen Geldgeber konnten die Menschen daran hindern ihre Freiheit einzufordern. Die modernen Medien wie Facebook und Twitter waren die Kommunikationsmittel der Protestbewegung, der Fernsehsender Al-Jazeera war das Sprachrohr und die revolutionäre Pipeline in die restliche Welt.

Was vor wenigen Wochen in Tunesien begann und sich seitdem wie eine Welle über den Nahen- und Mittleren Osten bewegt ist weder geographisch noch ideologisch einzuordnen. Eines ist allerdings gewiss, dass es ein historisches und revolutionäres Ereignis ist, ein Aufbegehren der Massen, der Kampf für Freiheit, bessere Lebensbedingungen und Mitsprache – vergleichbar mit 1848 oder 1989.

Trotz der bewegenden Fernsehbilder aus Ägypten, die in unsere globalen Wohnzimmer übertragen wurden, war die Begeisterung in Europa und den USA oftmals verhalten. Einerseits widersprach die Abkehr vom autokratischen System Mubaraks den Interessen von Regierungen im „Westen“, immerhin verloren sie mit Mubarak einen zuverlässigen Geschäftspartner. Andererseits war und ist es die Angst vor politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die „Furcht vor mehr Islam“ – namentlich die Angst vor der Muslimbruderschaft (MB). Wer aber ist diese Muslimbruderschaft, inwiefern sind die Befürchtungen gerechtfertigt und haben „westliche“ Politiker überhaupt das Recht darüber zu urteilen?


Die Muslimbruderschaft in Ägypten

al-bannaDer ägyptische Lehrer Hasan al-Banna gründete 1928 die Jamâ´at al-Ikhwân al-Muslimîn (Muslimbruderschaft) mit dem Ziel islamische Wert- und Moralvorstellungen in der Gesellschaft zu stärken. Es war primär eine Reaktion auf das verhasste ägyptische Königshaus, indirekt aber auch gegen die britische Kolonialherrschaft gerichtet.

Die Muslimbruderschaft unter Hasan al-Banna war eine gesellschaftspolitische Bewegung welche auf einem konservativen salfistischen Islambild (siehe Salafia) basierte. “Allah is our objective; the Quran is our constitution, the Prophet is our leader; jihad is our way; and death for the sake of Allah is the highest of our aspirations.“ Neben diesem rigiden Islamverständnis war die MB aber auch immer bemüht soziale Komponenten zu vermitteln, so betreibt sie unzählige Krankenhäuser, Fabriken, Schulen und natürlich Moscheen. In den 1940iger Jahren hatte die Bewegung schon über 1500 Handels- und Niederlassungszweige und über eine Million Sympathisanten, allein in Ägypten. Zusätzlich formierte sich ein militanter und geheimer Block (al-Jihaz al-Sirri) der den bewaffneten Kampf im Untergrund plante und durchführte. Für die ägyptischen bzw. britischen Machthaber wurde die MB bald zu mächtig und eine Eskalation war unausweichlich.

Der Machtkampf zwischen MB und der erstarkten Wafd-Partei eskalierte schließlich als Anschläge auf Politiker zunahmen und ein Staatsstreich von Seiten der MB befürchtet wurde. Als Reaktion darauf wurde die MB 1948 erstmals verboten in deren Folge zuerst der ägyptische Premierminister und ein Jahr später (1949) Hasan al-Banna einem Attentat zum Opfer fielen. Sein Nachfolger Hasan al-Hudaibi wird die ägyptische Moslembruderschaft über 20 Jahre lang anführen.

1950 konnte sich die Bruderschaft wieder rehabilitieren und unterstützte den Staatsstreich von Offizieren – darunter Anwar as-Sadat – im Jahr 1952. Jedoch wurde sie nicht in dem Maße an der Macht beteiligt, wie sie sich erhofft hatte. Der radikale Flügel unternahm 1954 einen Mordanschlag an Präsident Gamal Abdel Nasser, der jedoch missglückte. Die Folge war, dass sie erneut verboten wurde, dass sie unter brutalen Repressionen zu leiden hatten und dass zahlreiche Mitglieder inhaftiert wurden. Unter Ihnen ein Mann, dessen Namen in den letzten Wochen immer wieder als Synonym diente, um auf die Gefahr der MB hinzuweisen – Sayyid Qutb.

Sayyid Qutb – das islamische Gespenst im Westen

Der im Jahr 1906 geborene Sayyid Qutb führte die Gedanken von Hasan al-Banna fort, er forderte die politische Einflussnahme der MB und postulierte einen generellen islamischen Aktivismus. Nach einem zweijährigen USA Aufenthalt festigte sich bei Qutb eine anti-westliche Einstellung, nach seiner Rückkehr im Jahr 1950 trat er den Muslimbrüdern bei. Sein bekanntestes Buch Ma´âlim fî al-Tarîq (Milestones) verfasste Sayyid Qutb 1965 während seiner fünfzehnjährigen Gefängnisstrafe. Während Nasser einen sozialistischen panarabischen Weg postulierte, forderte Qutb eine politische Einheit die durch den Islam bestimmt wird und war entschieden gegen eine Annäherung an Russland.

Der radikale Denker definiert den islamischen Begriff „Jahiliyya“ (Unordnung, Chaos, Ignoranz gegenüber „islamischen Regeln“) neu. Als „Jahiliyya“ wurde/wird die historische Epoche vor der Herausbildung des Islam bezeichnet, Sayyid Qutb behauptete das Gesellschaften und selbst Individuen jederzeit in diese Phase zurückfallen können. Da er alle philosophischen Ansätze sowie politischen und sozialen Theorien, die nicht auf der alleinigen Souveränität Gottes basieren als „Jahili“ (nicht-islamisch) bezeichnet kommt er zu dem Schluss, dass keine Gesellschaft als „wirklich islamisch“ bezeichnet werden kann. Somit können alle Menschen, selbst Menschen die ein muslimisches Bekenntnis ablegen als Nichtmuslime bzw. Ungläubige (Kufr) tituliert werden. Dieser Prozess des „Ungläubig Machens“ wird Takfir genannt und wird heutzutage von radikal-extremistischen Gruppierungen, wie z.B. Al-Quaida, verwendet um Anschläge auf Muslime oder Zivilisten zu legitimieren. Der Kampf zwischen Gut und Böse – für Qutb ein aktiver und fortwährender Kampf – kennt daher keine Unschuldigen, ein Widerspruch zu dem, über Jahrhunderten herausgebildeten islamischen Rechts. Dies ist der radikale Gedanke in Sayyid Qutb´s Thesen, seine Vorstellung von einem Gottesstaat gleicht einem theokratisch-faschistischem System, in dem eine Person oder eine Gruppe die Wahrheit – basierend auf dem Koran – für sich beansprucht.

Auch wenn Qutb vielen radikal-muslimischen Bewegungen des 21. Jahrhunderts als Vorbild dient und seine Gedanken dem islamischen Extremismus Vorschub leisten repräsentiert er nicht die Ideologie der Muslimbruderschaft. Sayyid Qutb wurde 1966 auf Befehl von Nasser gehängt, die MB wurde zu dieser Zeit von Hasan al-Hudaibi geführt, einem Mann der bedacht war eine weitere Radikalisierung innerhalb der MB zu vermeiden.

Die Muslimbruderschaft in den letzten Jahrzehnten

Hasan al-Hudaibi war ein moderater Führer welcher der MB bis 1972 vorstand und in seinem Buch „Preachers not Judges“ indirekt die Thesen von Sayyid Qutb widerlegte. In diesem Zeitraum war die Bruderschaft erheblichen Repressionen von Seiten der Regierung Nasser´s ausgesetzt und agierte deshalb im Untergrund. Erst unter Anwar al-Sadat – er war selbst ein ehemaliges Mitglied in der MB – konnte sich die Organisation wieder strukturieren und zunehmend ihren gesellschaftlichen Stellenwert zurück erobern.

Während der 30ig-jährigen Herrschaft von Hosni Mubarak hatte die MB einen semilegalen Status. Politische Erfolge, wie zum Beispiel bei den Parlamentswahlen 2005 – bei der die MB 20% der Stimmen erhielt – brachten aufgrund des autokratischen Führungsstils Mubaraks keine wirklichen Veränderung mit sich. Schließlich konnten nach der Wahl 2005 88 Muslimbrüder, allerdings nicht als religiöse Partei, in das 440köpfige Parlament einziehen. Somit konnte sich die Muslimbruderschaft in Ägypten zwar als stärkste oppositionelle Gruppierung behaupten, die Politik Mubaraks – gestützt von den USA und Europa – verhinderten jedoch stets einen ernstzunehmenden politischen Einfluss. Seit den 1980iger Jahren drang die MB vermehrt in unterschiedliche Berufsverbände ein.

Die Muslimbruderschaft ist heute eine weitverzweigte Dachorganisation mit Kontakten, Institutionen und Einrichtungen in Europa den USA und selbstredend im Nahen- und Mittleren Osten. Jedoch ist die MB kein einheitlicher Gesinnungsblock, die diversen internationalen Einrichtungen verfolgen oftmals unterschiedliche Methoden und Ziele. Es ist kein Geheimnis, dass die Hamas der MB nahe steht, dennoch gibt es hinsichtlich der Anwendung von Gewalt große Differenzen und Konflikte zwischen der Hamas und der MB in Ägypten.

Die Muslimbruderschaft vereint auch in Ägypten verschiedene Strömungen, das Spektrum reicht von liberalen pro-westlichen Anhängern über konservative Mitglieder bis hin zu kleinen radikalen Gruppierungen. Durch die Absage an Gewalt und dem Streben nach einer „islamischen Demokratie“ kam es zu einer Abspaltung gewaltbereiter Mitglieder. Die Basis muss mittlerweile der ägyptischen Mittelschicht zugerechnet werden, unter ihnen sind viele junge Universitätsabsolventen, Ärzte und Ingenieure, sie streben nach Reformen – in Ägypten aber auch innerhalb der MB. Für viele notleidende Menschen, die den täglichen ökonomischen Druck nicht mehr standhalten können, spiegelt der MB-Leitsatz „Islam is the Solution“ auch die Hoffnung auf ein besseres Leben wider.

Ist die Furcht des „Westens“ vor der MB gerechtfertigt?

MB-FightersObwohl Sayyid Qutb neben Hasan al-Banna wohl der prominenteste Vertreter der MB war, spiegeln Qutb´s Theorien nur einen Teil bzw. einen Zeitabschnitt der Organisation wider. So beeinflusste der mehr oder weniger moderate Kurs von al-Hudaibi die Muslimbruderschaft nachhaltiger und über 20 Jahre lang. Auch seine Nachfolger versuchten den Einfluss und Wirkungsgrad mit Hilfe demokratischer und gewaltloser zu stärken. In vielen Belangen, insbesondere was sie Frage der Gewaltanwendung betrifft, entwickelte sich die Bruderschaft konträr zu Qutb´s Theorien. Mittlerweile gibt es in der MB viele Mitglieder die selbst dem Postulat, eines auf der Sharia basierenden Staates, skeptisch gegenüberstehen.

Daher ist es wohl akkurater die Positionen und Führungspersonen der letzten Jahrzehnte zu betrachten, um die momentane Ausrichtung der MB analysieren zu können. Weder die Kennzeichnung der MB als monolithischen Block von radikalen Islamisten (offizielle US-Policy) noch die ständige Angstmache vor dem „Gespenst Qutb“ werden der Wahrheit gerecht.

Tatsache bleibt allerdings, dass die MB die größte islamistische Bewegung des 21. Jahrhunderts darstellt. Offiziell wird ein Staatssystem angestrebt welches auf dem islamischen Recht (Shari´a) basiert, ein Konzept, das „europäischen“ Wert- und Normvorstellungen in vielen Punkten widerspricht. Beispielsweise können Genderkonzepte genannt werden, hier gibt es wenige Übereinstimmungen zwischen der UN-Menschenrechtscharta bzw. der EUMC und der MB Position. Auch in Bezug auf die Sexualmoral erscheint die MB aus einem säkularen europäischen Blickwinken konservativ. Diese offizielle Haltung müssen allerdings auch in den gesellschaftlichen Kontext (patriarchale Strukturen der ägyptischen Mittelschicht) gesetzt werden. In dieser Hinsicht kann die MB durchaus mit konservativen katholischen oder evangelischen Positionen verglichen werden.

Inwieweit die Muslimbruderschaft einem radikalen Islam Vorschub leistet oder diesen kanalisiert ist schwierig zu beantworten. Einige ExptertInnen meinen, dass die MB aufgrund ihres gewaltlosen Ansatzes junge Muslime im arabischen Raum abhält Gewalt anzuwenden. Langfristig wird sich zeigen, ob die Muslimbruderschaft den gemäßigten Weg der letzten Jahre fortsetzen wird und pauschale Urteile sowie Stereotypen abgebaut werden können. Primär muss der weitverbreitete Antisemitismus in der arabischen Welt, die pauschalen anti-westlichen Ressentiments und die Nichtakzeptanz von Andersdenkenden (z.B. Homosexuellen, Atheisten, Islamkritiker etc.) abgebaut werden. Die tatsächlichen politischen Ziele und Strategien der MB werden sich erst durch eine ernstzunehmende Partizipation an der nächsten Regierung in Ägypten herausbilden. Derzeit befindet sich die MB in einer Position zwischen zwei Extremen, während sie die USA als radikale Islamisten bezeichnen, verabscheuen die Jihadisten die Bruderschaft, da die MB den globalen Jihad ablehnen und für demokratische Mittel eintreten. Hier ist es dringend notwendig zwischen gewaltbereiten Gruppierungen und der Muslimbruderschaft zu unterscheiden. Es darf nicht sein, dass in der „westlichen“ Medienberichterstattung Terrororganisationen mit islamischen Organisationen gleichgesetzt werden.

 

Haben „WIR“ überhaupt das Recht über die Gefahr der MB zu urteilen?

Die Muslimbruderschaft in Ägypten entstand unter anderem als Reaktion auf die Machtgier der ägyptischen Aristokratie, die wiederum von der britischen Kolonialregierung gestützt wurde. Es ist heuchlerisch wenn die EU- bzw. US-Außenpolitik Menschenrechte international einfordern, gleichzeitig aber die unmenschlichen Methoden von ausbeuterischen Despoten zugunsten von wirtschaftlichen Interessen zulässt. Dieser Opportunismus erreicht dann seinen Höhepunkt wenn demokratische Wahlergebnisse in anderen Ländern nicht anerkannt werden weil sie den eigenen Interessen zuwiderlaufen.

Bei den Wahlen 2006 erreichte die Hamas über 40% der Stimmen. Obwohl es die demokratische Wahl der palästinensischen Bevölkerung repräsentierte, war die Hamas für den „Westen“ kein annehmbarer Verhandlungspartner. Über 30% der ägyptischen Bürger könnten bei den kommenden (freien) Wahlen der Muslimbruderschaft ihre Stimme geben. Wird der „Westen“ dann dieses Wahlergebnis anerkennen und ein offener Gesprächspartner sein?

Die revolutionäre Welle die von Tunesien nach Ägypten überschwappte und zurzeit in Libyen, dem Jemen und Bachrain überflutet, zeigt nicht nur die Frustration der ansässigen Bevölkerung, sie deckt auch Fehler und scheinheilige Prozesse der internationalen Politik auf. Währende einerseits die Legitimität der Muslimbruderschaft angezweifelt wird, ist der Wahabismus in Saudi Arabien andererseits von jeder Kritik und jedem Zweifel erhaben. Es scheint als würde hier mit zweierlei Maß gemessen, in erster Linie mit dem Maß welches wirtschaftlichen Profit verspricht. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es geradezu paradox, dass Europa und die USA – sechzig Jahre nach dem Fall des Kolonialismus in Ägypten  – über die Legitimität der MB urteilen. Diese eurozentrische Sichtweise auf den Nahen Osten schürt anti-westliche Ressentiments, schwächt die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft und spielt schlussendlich radikalen Kräften in die Arme.

Hier soll kein Kulturrelativismus propagiert werden, grundlegende Rechte auf der Basis der UN-Menschenrechtscharta müssen eingehalten, ja geradezu eingefordert werden. Alle Akteure und Organisationen müssen aber anhand ihrer Taten gemessen und analysiert werden, so auch die MB. Inwiefern die Muslimbruderschaft sich durch ihre Handlungen legitimiert wird sich zeigen – eine Chance auf politische Partizipation haben sie jedenfalls verdient.

 


*Zum Autor:
Thomas Schönberger ist Absolvent der Kultur- und Sozialanthropologie in Wien. Seine Diplomarbeit beleuchtete die Wahrnehmung der Muslime bzw. des Islam in der Steiermark. Im Rahmen seines Doktorats lebte und studierte er ein Jahr an der „Near East School of Theology“ in Beirut. Derzeit ist Schönberger als Praktikant bei FOREF Europa tätig (thomas.scho@gmx.at).


 

VIDEO (Hintergrund - 2008):

Inside Story - The Muslim Brotherhood


 

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Universale Menschenrechte angesichts der Pluralität der Kulturen -PDF
(Prof. Dr. Heiner Bielefeldt - UNO Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit)

Anmerkung der Redaktion:
Dieser Kommentar ist (unter der Bedingung der Quellenangabe) zur Veröffentlichung freigegeben!

FOREF Europa: Digitale Pressemappe (APA)

 


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