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Traun-auflistung3 - ÖSTERREICH - "Ein grauer Tag für Menschenrechte"

Der "Trauner Moscheestreit"

Teil 3
(März 2001)


Chronologische Auflistung
der Ereignisse rund um die "Mescid Ül Aksa Camii"
m
it
K
urzkommentaren von Günther Ahmed Rusznak, Schriftsteller und Moscheesprecher


10. Kalenderwoche 2001

Doch wieder - hektische Aktivitäten. Viele Vereinsmitglieder suchen schon verzweifelt, aber immer vergeblich, nach einem Ausweichquartier. Überall Ablehnung. Von der Gemeinde genauso wie von der Bevölkerung. Auch in Haid.

Andererseits suche ich Kontakte zu Fernsehen, zur Presse zu Ämtern und Institutionen. Mit unterschiedlichem Erfolg.

 

8. März 2001

Bauamt, BH, Abbruchunternehmer Stadler aus Hörsching und zwei "zivile" Gendarmen, begutachten die Moschee. Sozusagen als Vorbereitung für den Abbruch. Anschließend werde ich freundlich zu einem Gespräch auf den Gendarmerieposten "eingeladen". Was zu erahnen war, passiert dann auch: Mir werden alle Konsequenzen für den Fall eines Widerstendes beim Abbruch angedroht. Mit Ausnahme des Scheiterhaufens.

In der Moschee entwickelt sich seltsamerweise doch wieder so etwas wie ein Protestdenken. Doch dafür dürfte es jetzt zu spät sein.

 

10. März 2001

Zwei alte Bekannte sind wieder da. Nicht persönlich. Von irgenwoher kommt die Meldung, dass Mustafa Uluköyle und Osman Cetinkan (siehe auch: Febr. 2000, 4.Juli 2000, und 20. Sept. 2000) gemeinsam mit unserem lieben Hrn. Bürgermeister ein Ersatzquartier gefunden hätten. Ab Donnerstag, also einen Tag nach dem geplanten Moscheeabbruch, könne mit dem Besitzer verhandelt werden. Super, wirklich super. Natürlich sollten wir uns ruhig verhalten und der Störenfried GAR. (also ich), solle lieber schweigen.

Aber das sind schon wieder Widerholungen, welche so gar nicht mehr gefallen.

Schon ein kurzer Anruf beim vermeintlich erst am Donnerstag sprechbereiten Besitzer des Ersatzquartiers bringt die Bestätigung. Ein wirklich schönes Lokal ist zu vermieten, aber für eine Moschee.........nein, danke!

Damit ist nun schon zum x-ten Mal die Bestätigung erbracht worden, dass sich unser "allseits sehr geschätzter" Herr Bürgermeister zwei "Haustürken" hält. Und wieder einmal ohne Erfolg. Pech, wirkliches Pech!

 

11. März 2001

Presseaussendung zum bevorstehenden Moscheeabbruch.

 

12. März 2001

Div. Medien zeigen ein starkes Interesse.

Anruf aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Man könne nichts für uns tun. O.K.

Anruf in der SPÖ - Zentrale, Büro Dr. Gusenbauer. Die Sache wird gerade geprüft, sagt man mir, und ich werde verläßlich zurück gerufen.

Kein Rückruf!

2. Versuch: Wie oben.

3. Versuch: Wie oben.

 

13. März 2001

Die Iranische Botschaft ruft an. Ich werde zu einem Gespräch am 15. März mit dem 1. Sekretär eingeladen. Das Entsetzen ist groß, als ich erkläre, dass die Moschee morgen abgebrochen wird. Man hatte gehofft, dass die Botschaftsinterventionen fruchtbar sein würden.

Weitere Medien melden sich an.

Und nochmals versuchen die "Haustürken" des Bürgermeisters ein Spielchen. Sie beschuldigen mich, dass ich den Besitzer des von ihnen gefundenen Ausweichquartiers zur Nichtvermietung überredet hätte. Also dümmer geht's wirklich nicht mehr, und alle wissen es.

SPÖ - Wien meldet sich doch noch. Leider könne man auf den Bürgermeister nicht zu unseren Gunsten einwirken.

 

14. März 2001 (gepl. Abbruchtag)

Ab 6.00 Uhr kommen die Leute. Auch von anderen Moscheen.

7.00 Uhr: Die "Staatsmacht" fährt vor. Gendarmerie, BH-Beamte und der Abbruchunternehmer. Hektik vor der Moschee. Der Bezirkshauptmann persönlich (!) wird erwartet. Die Gläubigen beginnen ihr Gebet. Fernsehen, Presse, alles ist da.

Nach 7.00 Uhr: Ich treffe auf den Bezirkshauptmann. Ein lieber, älterer Herr, erklärt mir väterlich, dass alles halt so sein muss. Meine z.T. sehr emotionellen Einwände werden in der eben beschriebenen Art vom nicht vorhandenen Tisch gewischt. Sehr jovial gewährt uns der ergraute Staatsdiener dann eine Frist bis 7.30 Uhr. Meine Bitte bis 8.00 Uhr beten zu dürfen wird abgelehnt.

Die Bauarbeiter beginnen am Dach mit div. Vorbereitungsarbeiten. Eine Zeitung wird dann später schreiben, sie hätten die Moschee "angekratzt".

Exakt um 7.30 Uhr kann ich die Betenden zur Aufgabe überreden. Sie beginnen div. Gegenstände aus dem Gebetsraum hinaus zu tragen. Doch plötzlich gerät der Auszug in's Stocken. Einer der Männer ruft irgendetwas und schon wird aus dem Auszug ein neuerlicher Einzug. Alle schließen sich an. Zurück bleibt eine ratlose Staatsgewalt.

Schließlich muss ich dem Bezirkshauptmann die geänderte Lage erklären. Es hat tatsächlich eine Besetzung stattgefunden.

Die Abbrucharbeiten werden eingestellt, die Staatsgewalt zieht ab, nicht ohne vorher einiges an Drohungen zu deponieren.

Und wenn Sie mich jetzt fragen was ich dabei gefühlt habe? Ich war schlicht und einfach überwältigt und sehr, sehr stolz auf meine Glaubensbrüder. Und Schwestern natürlich auch. Diese beziehen nämlich in unserem Geschäftslokal Stellung und verharren dort.

Der Presserummel ist enorm. Sogar die sonst so schweigsame Kronenzeitung ist zur Stelle und wird dann am nächsten Tag zumindest einen klitzekleinen Regionalbericht machen.

Abends: Berichte in "Willkommen Oberösterreich" und "O.Ö. heute". Kurz und oberflächlich.

 

15. März 2001

Alle, aber wirklich alle Zeitungen berichten, z.T. sogar auf der Titelseite und das österreichweit. Und alles ist überwiegend positiv für uns ausgefallen. Es wird Verständnis gezeigt. Und das ist viel, sehr viel.

Rund um die Moschee ist es auffallend ruhig. Drinnen dafür schon etwas weniger. Ein harter Kern hält eisern die Stellung.

Ich habe meine Termine in Wien. Um 10.00 Uhr bin ich in der Iranischen Botschaft. Man ist bestens über meine Person informiert und ebenso über den Moscheestreit. Der Botschafter hat vehement bei allen möglichen Stellen interveniert, überall vergeblich. Mehr war wirklich nicht möglich und ich merke seine Verärgerung über die österreichischen Behörden.

Ich lege Konzepte für Zukunftspläne vor, aber das muss natürlich alles geprüft und besprochen werden. Ein freundschaftliches Gespräch und ich habe das Gefühl, unter wirklich Anteil nehmenden Menschen zu sein.

Von der Libyschen Botschaft werde ich an den derzeitigen Vorsitzenden der Arabischen Liga "weitergereicht". Ich kann dann ein sehr ausführliches Gespräch mit Dr. Hassan Mohammed Makki führen. Er bestätigt, dass es gestern eine Konferenz der Arabischen Liga gegeben hätte. Dabei haben alle Botschafter von der ablehnenden Haltung österreichischer Ämter und Behörden berichten müssen. Sie haben nichts erreicht und sind geschlossen verärgert.

Da hat unser "Quimby" wirklich jede Menge Öl-Leute vergrault. Aber vielleicht hat er ja eine Holzheizung zu Hause.

Anschl. Treffen mit Hrn. Peter Zöhrer, Präsident von ICRF und Hrn. Bayati, einem Nahost Experten. Informationsaustausch & Interview ist angesagt.

Zu Hause erwartet mich ein Brief vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Es nennt sich auch Zukunftsministerium. Doch für uns gibt es keine Zukunft. Man bedauert, aber man kann nichts machen. Das war allerdings schon bekannt.

In der Moschee ist die Stimmung gut. Einige Zeit wollen die Brüder noch ausharren. Doch wie lange? Ich suche Lösungen zu finden, doch das ist im Moment alles andere als einfach.

 

16. März 2001

Der "harte Kern" in der Moschee wird kleiner und kleiner. Aber zum heutigen Freitagsgebet sollen doch rund 400 Gläubige kommen. Ich lass' mich überraschen. Also 350 waren's wirklich.

Einige wollen "mobilisieren". Ich lehne ab. Irgendwann muss Schluss sein. Die meisten stimmen mir zu. Also werden wir bis Sonntag den Schein einer Besetzung wahren, ohne sie wirklich durchzuführen.

 

17. März 2001

Für Sonntag wird eine Pressekonferenz angekündigt. Ich verspreche eine Überraschung, also wird die Presse auch präsent sein. Dieser Entscheidung sind doch recht hitzige Debatten vorraus gegangen. Ein Teil der Leute hat zum x-ten Mal ihre Meinung geändert und es gibt Zeiten, wo ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder, plötzlich wieder für eine unbefristete Besetzung sind. Ich muss alle Anstrengungen unternehmen um eine Eskalation zu verhindern.

 

18. März 2001

In meiner Funktion als Pressesprecher gebe ich folgend Erklärung ab:

Der Vorstand der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs hat sich entschlossen, folgende Schritte zu setzen:

Da alle Versuche gescheitert sind die Behörden zu einer menschlichen und rechtlich einwandfreien Behandlung unseres Falles zu bewegen, werden wir die Moschee für die Zerstörung freigeben. Ab sofort kann die Baufirma den Unrechtsauftrag ohne Behinderung ausführen. Nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind, werden wir den verbleibenden Rest des Gebäudes aber weiter als Moschee benützen. Wir werden diesen Standort als weiterhin rechtsmäßige Mieter nicht aufgeben. Es wird eng werden. Daher werden wir für jedes Freitagsgebet und jedes Feiertagsgebet den in unmittelbarer Nähe liegenden Madelschenterplatz oder die vor der Moschee liegende Bahnhofstraße benützen.

U.s.w.

ORF, APA, Radio, Kanal 7, türkische Zeitungen, alle, alle berichten.

 

19. März 2001

Keine Abbruchfirma, keine Exekutive in Sicht. Alles ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm?

Eine Demonstration gemeinsam mit dem Freitagsgebet wird vorbereitet und bei der Gendarmerie angemeldet. Ein sehr freundlicher Beamter übernimmt. Ein FAX geht an die Bezirkshauptmannschaft Linz - Land. Ebenfalls mit der Demo - Anmeldung. Damit ist es amtlich.

 

20. März 2001

Wir, Ercan Yesiltas und ich werden zu einem Gespräch mit Dr. Birner von der Stadtgemeinde gebeten.

Hr. Dr. Birner sondiert wer aller gesprächsberechtigt ist und eröffnet uns, dass wir eine Einladung vom Bezirkshauptmann zu einem weiteren Gespräch erhalten werden.

14.00 Uhr: Anruf von der BH Linz-Land. Morgen um 14.00 Uhr Gespräch mit dem Bezirkshauptmann in Linz.

Währenddessen geht der Moscheebetrieb ungestört weiter. Lediglich einige Wasserflecke zeugen noch vom missglückten Abbruchversuch.

Das Medieninteresse an der "Gebetsdemo" ist enorm.

Der oberste Chef der Islamischen Religionsgemeinde in Wien, Prof. Schakfeh verurteilt unser Vorgehen. Wir verurteilen seine Inaktivität und sein Arrangement mit den Mächtigen. Damit sind wir quitt.

 

21. März 2001

Gespräch in der Bezirkshauptmannschaft Linz - Land

Wir, unser Obmann, sein Stellvertreter und ich staunen nicht schlecht, was da alles aufgeboten wurde um unsere Unbotmäßigkeit zu beenden. Sofort wird klar, dass es in erster Linie darum geht, die Freitagsdemo nicht zustande kommen zu lassen. Die Phalanx unserer Belehrer, Zurechtweiser, Bitter und Droher setzt sich aus folgenden Leuten zusammen:

Da ist natürlich einmal der Herr Bezirkshauptmann.

Zu seiner Linken die kämpferische Frau Dr. Zopf. Aufgefallen ist sie mir durch ihren harschen Ton bei der fremdenpolizeilichen Überprüfung am 17. Februar 2001 in der Moschee. Aber heute gibt sie sich zunächst freundlich.

Der Trauner Pfarrer ist da, ein Vertreter der Islamischen Gemeinschaft in Wien, der Obmann der Linzer IG-MG-Moschee, ein Dolmetscher, Dr. Birner und........ oh Wunder:

Der Trauner Bürgermeister Dr. Peter Schlögl..............Mr. Quimby himself !!!

Um es aber kurz zu machen:

Zugeständnisse an uns gibt es so gut wie keine. Lediglich der Trauner Pfarrer bietet uns das Pfarrheim vorübergehend als Freitagsgebetsstätte an.

Hier an dieser Stelle möcht ich ein Wort über den Trauner Pfarrer, Hrn. Mag. Wild, sagen. Meine uneingeschränkte Hochachtung vor diesem Mann. Er hat es sicher nicht leicht in dieser Situation. Er und ich geraten zwar immer wieder ziemlich heftig aneinander, aber mein Respekt vor diesem Gottesdiener ist dadurch niemals kleiner geworden. Im Gegenteil. Er versucht immer wieder sein Bestes, doch liegt es in der Natur der Sache, dass wir nicht immer einer Meinung sein können.

Auch bei diesem Gespräch findet letztendlich keine wirkliche Annäherung statt. Aber ich bin überzeugt, in "friedlicheren" Zeiten wird dies sehr wohl möglich sein und sein müssen.

Also alle unsere Gesprächspartner sind sich einig, dass die Freitagsdemo nicht stattfinden soll und darf. Und wir sind uns einig: Das ist der einzig richtige und letzte, verzweifelte Hilferuf an die Öffentlichkeit mit dem wir uns bemerkbar machen können.

Der Bezirkshauptmann zählt uns auf, wer aller gegen unsere Demo ist:

Der Bundeskanzler, der Parteichef der SPÖ in Wien, die Türkische Botschaft, der Oberste Islamische Rat und, und, und.

Ich habe nicht gewusst, das so viele von unseren Absichten wissen.

Als wirklich nichts mehr geht, zaubert unser "allseits sehr geschätzer" Herr Bürgermeister zwei mögliche Ersatzquartiere aus dem Toupet.

Eines ist bekannt, es ist das von seinen "Haustürken" angebotene Geschäftslokal. Ein nochmaliger, anschließender Versuch den Hausbesitzer umzustimmen, scheitert kläglich. Das andere Lokal ist viel zu weit abgelegen, als dass es in Frage kommen könnte.

Wir vereinbaren aber dennoch Überlegungen hinsichtlich der Abhaltung der Demo. Aber schon am Abend im Vereinsvorstend wird klar: Die Zeichen stehen auf Sturm. Also Demo am Freitag.


22. März 2001

Der Beschluss für die Gebetsdemo bleibt aufrecht. Informationen gehen an die Medien und an die Bezirkshaupmannschaft.

Um 17.00 Uhr überbringen zwei Beamte persönlich ein Schreiben für unseren Obmann. Es ist die Untersagung der Demo. Begründet wird dies mit der Überschneidung von 3 Veranstaltungen. Dem Bauernmarkt, einer Autogrammstunde bei einem Optikgeschäft und unserem Gebet. Die Autogrammstunde sei schon vor drei Wochen angemeldet worden. Wir fragen uns natürlich, warum uns dies bisher niemand gesagt hat?

Eine weitere Begründung und das macht den rechtsstaatlichen Skandal perfekt, ist die Erwartung von gewaltbereiten Fundamentalisten. Welche Geisteshaltung, welche Verachtung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie spricht aus so einem Bescheid. Die Sachbearbeiterin und wahrscheinliche Verfasserin dieses Skandalbescheides ist Frau Dr. Isabella Zopf, die mit den rüden Manieren, die mit dem harschen Ton.

Was muss in diesem Kopf nur vorgehen, dass man als Akademikerin solchen Schwachsinn verzapfen kann? Welch ein frustriertes Leben mag da dahinter stecken, um so menschenverachtend zu agieren. Sie tun mir leid, gute Frau Zopf!

Aber verantwortlich ist letztdendlich der Bezirkshauptmann. Der väterliche, der joviale. Auch Sie tun mir leid Herr Dr. Doleschal. Wirklich leid!

 

23. März 2001

Wir haben über die APA/ORF erfahren, dass man unsere Demo "dulden" würde, wenn wir uns auf den Platz vor der Moschee beschränken würden. Offiziell ist das natürlich nicht. Trotzdem, unser Entschluss steht fest: Demo!

10.00 Uhr: Der Obmann der Sozialistischen Jugend, Hr. Dobusch jun. besucht uns mit einer Delegation und informiert sich vor Ort. Es herrscht ein gutes Gesprächsklima mit viel Verständnis für unsere Probleme, aber leider gibt es wenig Möglichkeiten für eine Hilfeleistung.

Ab 12.00 Uhr: Die Medien treffen ein. Die Polizeipräsenz nimmt beängstigende Formen an. Es sind Einsatzkräfte mit griffbereiten Helmen und Schlagstöcken. Sie werden sich aber die ganze Zeit über passiv verhalten. Gott sei Dank.

Unsere Leute kommen "zitzerlweise".

Interviews, Aufnahmen.

Ab 14.00 Uhr: Beginn des Freitagsgebetes. Die Ansprache hält der Vorchdorfer Imam und auch ich halte eine Ansprache, in der ich mich bemühe, so versöhnlich wie möglich zu sein. Es fällt mir sehr schwer, bin ich doch knapp vorher, einer wüsten Beschimpfung durch Trauner(innen) ausgesetzt. Auch der Nachbar macht uns zu schaffen. Er "berieselt" unser Gebet mit lauter Volksmusik, läßt sich aber selbst nicht blicken. Ein "wahrer Held"!

Erregte Diskussionen im Publikum. Zustimmung - Ablehnung - Beschimpfung.

Eine erregte Debatte mit einer Trauner Gemeinderätin bringt sie und mich dann noch in die Fernseh-Abend-Nachrichten.

Die Berichterstattung ist auffallend kurz. Illegal eingeführte Chamäleons haben da einen weit höheren Stellenwert in den Sendungen. Bei ihnen dürfte niemand "bremsend" eingewirkt haben. Es sei ihnen aber vergönnt.

Trotzdem, alle sind froh dass es vorbei ist.

 

24. März 2001

Die lokalen Zeitungen, sonst übervoll mit unseren Geschichten, erwähnen unser Freitagsgebet mit keinem Wort. Das ist interessant.

Österreichweite Zeitungen berichten dagegen um so ausführlicher. Und das ist gut so.

Vorstandssitzung: Alle sind einig, dass wir in der Krise eine Chance für die Zukunft sehen sollen.

 

26. März 2001

Warten! Warten auf den Abbruch. Übermorgen werde ich wieder in Wien nach Helfern, Sponsoren und Gönnern suchen.

 

28. März 2001

DER ABBRUCH:

Um 7.00 Uhr bekomme ich von einem Glaubensbruder den befürchteten Anruf:

Die Moschee wird zerstört.

7.15 Uhr: Ich bin vor Ort. So muss der Krieg aussehen. Uniformierte so weit das Auge reicht. Helme, Schlagstöcke, Sperrgitter, Hunde. Und mitten drinnen zerfetzt ein Bagger unseren Gebetsraum. Ein Anblick wie er erschütternder nicht sein kann. Die Staatsmacht hat zugeschlagen.

Wie ich später erfahre, sind ab 4.00 Uhr früh die Einsatzkräfte angerückt, haben das Gebäude aufgebrochen, haben nach "ihrem" Islamverständnis Gegenstände aus dem Gebetsraum entfernt und acht- und respektlos in das Vereinslokal geworfen. Wir finden später im Bauschutt Koranfragmente und andere Buchfragmente. Vieles bleibt aber unseren Augen sicher gnädig verborgen.

Mein Versuch, bei der anwesenden Vertreterin der Bezirkshauptmannschaft, Frau Dr. Zopf, Sie wissen, die rüde, die harsche Frau Dr., die Erlaubnis zur Bergung aller Gegenstände zu erhalten, wird zynisch und kalt lächelnd abgeschmettert. Diese Frau tut mir unendlich weh, aber schließlich kann ich sie doch nur bedauern. Aber in diesen Augenblicken habe ich andere Gedanken im Kopf. Viele Glaubensbrüder sind zwischenzeitlich vor der Moschee eingetroffen. Einige wollen ihre österreichischen Pässe öffentlich verbrennen. Ich kann sie davon abhalten. Was bleibt ist ohnmächtiger Zorn. Das ist eine Wunde, welche nicht so schnell heilen wird.

Und so setze ich mich in mein Auto und fahre nach Wien. Der Termin beim jemenitischen Botschafter bringt etwas Erleichterung, da ich mich aussprechen kann. Der Jemen hat zur Zeit den Vorsitz bei der Arabischen Liga. Das Entsetzen ist groß, als ich dem Botschafter berichte. Er verspricht kurzfristig eine Sitzung der Arabischen Liga einzuberufen um erneut unser Problem zu besprechen. Wir werden sehen. Insallah!

Anschl. Treffen mit Hrn. Peter Zöhrer von ICRF. Gemeinsam gehen wir zur Amerikanischen Botschaft. Der Menschenrechtsexperte der Botschaft, Mr. Sullivan, ist ebenfalls fassungslos über das Vorgehen der österreichischen Behörden. Auch von seiner Seite wird eine Weiterverfolgung des Falles und gleichzeitig Gespräche mit den arabischen Botschaftern zugesagt.

Am Abend mache ich noch meinen Bericht in der IG-MG Zentrale. Viele meiner Zuhörer sind den Tränen nahe. Auch hier ohnmächtiger Zorn, und eine große, offene Wunde.

Spät in der Nacht erwarten mich dann die Trauner Glaubensbrüder in unserer Moscheeruine. Der Gebetsraum ist weg, Rigpswände im Vereinsraum ebenfalls und sozusagen als "Krone" der Vernichtungsorgie ist unser Waschbecken mit den "drei gefährlichsten Wasserhähnen der Nation" zerstört. Traun kann somit aufatmen. Offensichtlicher, aber auch gleichzeitig dümmer, primitiver und geistloser kann eine Staatsgewalt ihre Menschen- und Religionsverachtung nicht zeigen.

Hr. Ing. Mahr, Hr. Dr. Schlögl, Hr. Dr. Doleschal. Sie und ihre Helfer haben sich heute ein Denkmal gesetzt. Es möge ewig im Gedächtnis der Menschen verbleiben!


PRESSEINFORMATION: Linz, am 28.3.2001  
Mit großer Besorgnis sieht der Integrationssprecher der Grünen, LAbg. Gunther Trübswasser, die Verhärtung der Fronten im Konflikt um die Trauner Moschee und die Zuspitzung anlässlich der heutigen Abbrucharbeiten. Es geht um gesetzliche Bestimmungen nach dem Baurecht, aber es geht auch und vor allem um die Wahrung von Religionsfreiheit. Stellungnahme der Grünen-OÖ - im Volltext


29. März 2001

Die Zeitungen berichten ausführlich. Fotos vom morgendlichen Eindringen der Beamten sind da. Also die Presse hat von dieser Aktion gewusst. Wir nicht. Eine Hand wäscht die andere. Der Bezirkshauptmann spielt gut auf dem Medienklavier. Was er an Gegenleistung dafür erhält ist klar. Berichte von der absoluten "Gesetzmäßigkeit" des Abbruchs und später ein nahezu perfektes Vergessen unseres Protestgebets am morgigen Freitag. Gut gemacht, alter Mann! 

Viele Menschen stehen zu uns und berichten mir Einzelheiten. Die Exekutive wurde von weither nach Traun gebracht und die Beamten waren sicher, mit gewaltbereiten Moslems konfrontiert zu werden. Außerdem waren sie der Meinung, ein wirklich baufälliges, gefährliches Gebäude müsse zur Sicherheit der Menschen abgetragen werden. Sie haben nicht schlecht gestaunt über den guten Zustand der Moschee.

Ein weitere Vorfall wird glaubwürdig von mehreren Leuten berichtet. Ein Arbeiter der Baufirma ist so gegen 16.00 Uhr auf den verbliebenen Gebäudeteil gestiegen und hat eine österreichische Fahne laut brüllend über seinen Kopf geschwungen. Seine Brüllerei bestand aus ausländerfeindlichen Parolen wie "Österreich den Österreicher" und "Ausländer raus" u.s.w.

Die Exekutive ist aber blitzartig eingeschritten und hat dem Spuk ein Ende gemacht.

Seit diesem Vorfall vermissen wir unsere österreichische Fahne, welche neben der Vereinsfahne in unserem Aufenthaltsraum angebracht war. Eigentlich vermissen wir sie nicht wirklich. Eigentlich überhaupt nicht. Soll sie doch dort bleiben wo sie der Arbeiter hingezerrt hat. Nämlich im Dreck!

 

30. März 2001

Freitagsgebet im Freien. 200 Leute. Frustration, Unverständnis, Zorn.

Keine Presse, kein Fernsehen. Gut gemacht, alter Mann!

Das angemeldete Protestgebet wird von der örtlichen Exekutive ignoriert. Erst als wir selbst versuchen, die Parkplätze vor der Moscheeruine zu belegen und auf der Straße unsere Gebetsteppiche ausbreiten, werden wir zornig von einem Beamten in Zivil (aber man kennt sich ja) aufgefordert, einen Fahrstreifen freizulassen. Dies sei eine Anordnung der Bezirkshauptmannschaft. Nur......hier gibt es nur einen Fahrstreifen. Und so sind die Betenden nur millimeterweit von vorbeifahrenden Autos getrennt. Sicherheit ist plötzlich zum Fremdwort geworden.

Über die Reaktionen von einigen vorbeigehenden Traunerinnen und Traunern möchte ich lieber schweigen. Es ist mehr als traurig, wenn es zu solchen (noch) verbalen Entgleisungen kommt.

 

31. März 2001

Der verbliebene Teil der Moschee, das ehemalige Vereinslokal wird umgestaltet. Der Aufenthaltsraum verschwindet nahezu ganz und dafür entsteht ein denkbar ungeeigneter Gebetsraum. Wir sind wie die Spinnen. Wenn ihr Netz zerrissen wird, beginnen sie sofort wieder ein neues zu weben. Und wir machen aus dem traurigen Rest wieder eine Moschee, auch wenn sie den Namen schon längst nicht mehr verdient. Ob man uns hier wenigstens gewähren lässt, das sei dahin gestellt. Denn noch immer sind wir im Zentrum, noch immer sind wir den Entscheidungsträgern ein Dorn im Auge.

Vielleicht finden wir irgendwann einmal ein wirklich würdiges Zuhause, mit Menschen als Nachbarn, welche diese Bezeichnung auch verdienen.  


Günther Ahmed Rusznak (Moscheesprecher) ist unter der Nummer: 0722972364 zu erreichen.

Weitere Infos zum Abriss der Trauner Moschee:

Chronologische Auflistung der Ereignisse-TEIL 2 (29.Juli 2000 bis März 2001)

Chronologische Auflistung der Ereignisse- TEIL 1 (7. Juli 1997 bis 14. Juli 2000)


AKTUELLES INTERVIEW: "Wählerquoten statt Menschenrechte?"
Der Nahostexperte Bayati im Interview mit Moscheesprecher Günther Ahmed Rusznak und Peter Zöhrer von ICRF-Austria (International Coalition for Religious Freedom)


22.3.2001 (19:30 Uhr) Das Freitagsgebet im Freien wird behördlich untersagt (Untersagungsbescheid) !!!


Bilder


traun-moschee1.jpg (38518 Byte) Der Auslöser?
Im Juni 1998 veröffentlicht der Trauner Vizebürgermeister Ing. Herwig Mahr im FPÖ-Dialog (Parteizeitung) einen Hetzartikel mit dem Titel:
TRAUN: EXISTENZ DER GESCHÄFTE BEDROHT - "Moschee" in der FUZO vertreibt potentielle Kunden. - Mahr schlägt darin vor, "baurechtliche" Gründe für einen Abriss der Moschee zu finden !!!


Die Behörde war jedoch schon vor dem Aufruf  fündig: Die drei "gefährlichsten" Wasserhähne der Nation.


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